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Sammelsurium

Zum technischen Studium gehört eine mathematische Formelsammlung, so viel sollte klar sein. Aber welche ist die beste? Zeit für Glaubenskriege…

„Mann muss es nicht wissen, man muss nur wissen, wo es steht!“

Mit dieser Überzeugung geht es in die Prüfung. Doch schon nach kurzer Zeit denkt man sich: „Das ist doch kein Problem, das müsste doch… Hmm, hier vielleicht? Oder hier? Wo ist denn diese verdammte Formel jetzt schon wieder hin?!“
Eigentlich sollte ja jede gekaufte Formelsammlung ihr Geld soweit wert sein, dass sie zu jeder Aufgabe im Studium eine Antwort bereithält. Zu viele Inhalte sind aber wiederum nicht willkommen, schließlich sollte der alltägliche Begleiter schlank ausfallen. Übersichtlich muss er sein, Beispiele sind doch aber auch etwas Feines. Begeben wir uns also mithilfe der allwissenden Kristallgoogle auf die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau!

In Foren finden sich gehäuft drei Empfehlungen, jedoch auch immer wieder Gegenstimmen. Oft genannt werden das Taschenbuch der Mathematik von Bronstein, Semendjajew, Musiol und Muehlig, die mathematische Formelsammlung von Lothar Papula sowie Formeln und Hilfen zur Höheren Mathematik von Merziger, Mühlbach, Wille und Wirth. Nennen wir sie in Zukunft einfach den Bronstein, den Papula und die Binomi-Formelsammlung.

Nach fast vier Jahren Studium an dieser Hochschule kann ich über Bücher aussagen, dass ich mir zwar vor dem ersten Semester einige gekauft, diese aber nie gebraucht habe. Einerseits hilft heutzutage das Netz bei so ziemlich allen Fragen mindestens genauso gut wie das richtige Buch. Andererseits sollte man sich darüber im Klaren sein, dass wir an einer Fachhochschule studieren, nicht an einer Uni. Auch wenn sich zumindest nach meinem Geschmack die trockene Theorie ruhig noch etwas weiter hätte zurückziehen können, so brauchen wir doch trotzdem noch lange nicht jede abenteuerliche Formel, die die Wissenschaften jemals hervorbrachten.

Wenn man den immer wieder ähnlich lautenden Berichten und Rezensionen glaubt, fällt somit der Bronstein schon heraus. Dieser bietet zwar anscheinend selbst auf Fragen, die man niemals zu stellen gewagt hätte, Antworten, ist aber auf einem sehr hohen Niveau angesiedelt. Ein enttäuschter Amazon-Kunde bescheinigt dem Buch gar, dass selbst Albert Einstein seine Probleme mit ihm gehabt hätte. Statt sämtliche Details hochwissenschaftlich zu erklären, soll eine Formelsammlung also besser einfach verständlich aufgebaut sein? Gut, kommen wir also zum anderen Extrem.
Sehr häufig empfohlen werden die vielen mathematischen Bücher von Lothar Papula. Dies trifft auch auf seine Formelsammlung zu, wobei diese genau genommen nicht einmal unbedingt eine solche ist. Vielmehr handelt es sich um eine Kombination aus einem Lehrbuch mit ausführlichen Erläuterungen sowie Beispielen und der eigentlichen, knapp gehaltenen Formelsammlung. Achtung, somit kann es natürlich bei manchen Prüfungen auch passieren, dass dieses Buch nicht zugelassen wird! Empfohlen wird die Sammlung wegen ihres Konzeptes gerade für die vielen armen Studenten, die sich nur als notwendiges Übel durch die Mathematik quälen und später wohl so gut wie nichts davon wieder brauchen werden. Doch genau hier zeigt sich das Problem, dass eine einfache und einleuchtende Dar-stellung komplexer Themen schnell auch wichtige Details weglässt. So klagen etwa Rezensionen bei Amazon an, bei viel Text und Sucherei auf mehr als 500 Seiten würden zwar Determinanten von (2,2)-Matrizen erklärt, jedoch verweise man bereits für (3,3)-Matrizen auf den zweiten Band, der somit auch gekauft werden müsse.

Hier schlägt die oft als Geheimtipp gehandelte Binomi-Formelsammlung an: Alles Notwendige wird kurz und knapp erklärt, auf keiner der nicht einmal 250 Seiten wird Platz verschenkt. Nicht nur für Studenten ist sicher auch sehr interessant, dass der Preis ebenfalls deutlich geringer als bei der Konkurrenz ausfällt. Unter Kennern wird das Werk gern als das „Kleine Schwarze“ bezeichnet, wobei dieser Name durchaus wörtlich genommen werden kann: Schwarz, schlicht und im Gegensatz zu den vorgestellten Wälzern äußerst handlich. Sucht man zum Vergleich auch hier die Determinanten auf, erhält man auf gerademal anderthalb Seiten wohl alle notwendigen Informationen bis hin zu (n,n)-Matrizen, sogar einschließlich kurzem Zahlenbeispiel. Vielleicht sollte ich nicht verschweigen, dass ich diese Formelsammlung selbst nutze und daher nicht ganz unvoreingenommen bin, aber in inhaltlichem Umfang, übersichtlicher Darstellung und der dafür sehr geringen Seitenzahl ist dieses Büchlein zumindest für mich einfach ideal!

Trotz allem brachte mir die erneute Recherche noch weitere, interessante Erkenntnisse. Und zwar wird gelegentlich auch einfach auf die eine oder andere online verfügbare kostenlose Sammlung verwiesen. Sehen wir uns exemplarisch einmal zwei davon an:
Die erste Sammlung findet sich unter gnoerich.de, die zweite verbirgt sich hinter „Math Formulary (PDF)“ auf mustun.ch/andrew. Beide ähneln sich vom Seitenumfang und dem ersten Eindruck her, doch bereits die übliche Stichprobe zum Thema Determinanten zeigt Unterschiede: Die erstgenannte Formelsammlung setzt an dieser Stelle Vorkenntnisse voraus, letztere dagegen erklärt den Begriff, wenn auch sehr knapp. Auch in der Häufigkeit von Beispielen unterscheiden sich beide Werke voneinander.

Als Fazit lässt sich sagen: Eine Auswahl ist gegeben, doch bei den meisten Aufgaben sollte die Wahl eher egal sein. Auch die kostenlosen Alternativen sind zu überdenken, doch sollte man gerade dort vor der Prüfung noch einmal genau nachsehen, ob denn auch alle wichtigen Themen in ausreichendem Maße behandelt werden. Dann noch viel Erfolg bei der Anwendung!